Unbeschwertheit kommt auf Vespa-Rädern

Einfach mal losrollern

Es knattert, stinkt und macht manchmal auch Zicken. Will man sowas haben? Eindeutig: Ja! Ich liebe unsere Vespa. In dem Moment, wenn ich mich auf die Sitzbank schwinge, der Hauptständer hochklappt und die Federn nachgeben, werde ich fast ein anderer Mensch. Ich übertreibe?

Eine alte Vespa zu fahren, das ist schon etwas Besonderes. Unsere Modelle haben weder Automatik noch einen E-Starter. Mir gefallen die weichen Formen, die kleinen Schrammen, die die Zeit und kleine Ungeschicke im Blech hinterlassen haben – das ist wie ein persönlicher Fingerabdruck. Andere würden sofort mit dem Lackieren und Ausbeulen beginnen, ich brauche das nicht für mein Vespa-Glück.

Lach-Automatik statt Gang-Automatik

Der Moment, wenn Du den Kickstarter trittst und hoffst, dass der Motor anspringt. Das erste Grinsen, wenn sich das erhoffte Knattern einstellt. (Wenn nicht, wird das Grinsen kleiner und die Anstrengung größer.) Du gibst Gast, lässt die Kupplung kommen und rollst los. Das Grinsen wird breiter.

Wie wir zu den zwei Vespas kamen

Beide Vespas waren mehr oder weniger Zufallskäufe. Die Vespa V50 Spezial, Bj. 1976, fanden wir eines abends auf Ebay. Vielleicht war das Glas Wein Schuld daran, dass wir ein Gebot abgaben, vielleicht auch der niedrige Preis. Noch eine Stunde bis zum Ende der Versteigerung, da bietet bestimmt noch jemand drüber, dachten wir uns. Falsch gedacht: Plötzlich waren wir Vespa-Besitzer. Die zweite Vespa, eine PK50 XL, war ein Spontankauf. Weil sie neuer ist, weil sie bessere Bremsen hat, komfortabler zu fahren ist als die alte. Weil sie Blinker hat, ein Bremslicht und auch eine Hupe. Ideal auch für jemanden mit weniger Fahrerfahrung wie Eva, die den türkisfarbenen Flitzer sofort adoptiert hat.

Vespa fahren ist Kult. Es ist ein Statement für ein Lebensgefühl, für Lebensfreude, für Freiheit. Da macht selbst der Weg zum Supermarkt Spaß. Doch noch viel breiter ist das Grinsen, wenn man an einem schönen Sonnentag einfach mal drauf losfährt. Es geht nicht ums Schnellfahren, das ist bei einem 50-Kubik-Roller sowieso nicht drin, es geht ums Rollern, ums Cruisen. Es tut gut, wenn einem der Fahrtwind um die Nase weht. Und es macht auch ein wenig stolz, wenn sich Passanten und Fußgänger umgucken, um die beiden Vespas zu begutachten.

Wahrscheinlich ist es für jeden etwas anderes, was das Vespagefühl ausmacht. Ich fühle mich auf dem Ding zwischen Teenie und Rebellin. Woran das liegt, kann ich mir schwer erklären. Vielleicht spielt ganz tief im Hinterkopf „The Who“ oder leuchtet ein Bild von Quadrophenia auf. Vielleicht ist es auch auch nur Einbildung. Egal, Hauptsache es macht glücklich. Denn darum geht’s ja.

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