Was täglich laufen mit Dir macht

„Und Du willst jetzt echt noch laufen gehen?“

In die Frage mischt sich ein Anflug von Ekel und Unverständnis. Es ist später Abend. Draußen ist es dunkel, feucht und kalt. Eigentlich ideal, um den Tag vor dem Kaminfeuer und auf dem Sofa ausklingen zu lassen.

Eigentlich. 

Doch ich habe einen Lauf, einen Streaklauf.

Die Herausforderung: Jeden Tag laufen gehen

Ich muss nicht lange überlegen, sondern mache einfach. Ausreden bringen nichts, verschieben auf Morgen gilt nicht. Also rein in die Laufschuhe und ab um den Block. Ich will das durchziehen, das Wetter interessiert mich nicht.

Silvesterlauf Mergelstetten: der Auftakt zu meinem ersten Streakrun

So war das im Januar.

Zum ersten Mal in meinem Läuferleben habe ich an einer Laufstreak (Streak, engl. Serie) teilgenommen. Inspiriert vom Team der Zeitschrift RunnersWorld war der Januar mein Monat, an dem ich wirklich jeden Tag gelaufen bin. Mein Fazit: geniale, neue Erfahrung. Doch dazu später mehr.

Jetzt im Juni bin ich wieder dabei

Zu oft habe ich in den vergangenen Tagen geplante Läufe auf morgen verschoben. Der Mai war deshalb 2020 bislang der Monat mit den wenigsten Läufen und Laufkilometern.

Doch das ist nicht der Grund, sondern: Wenn ich mehr laufe, geht es mir eindeutig besser.

Deshalb ist es Zeit für einen neuen Streak. Spontan habe ich vor zwei Tagen damit begonnen. Und wie es der Zufall so will: Gerade entdecke ich, dass Runnersworld eine #RWJuniStreak ausgerufen hat.

Wie funktioniert das mit der Laufstreak?

Die Regel ist simpel: jeden Tag mindestens eine Meile, also 1,6 Kilometer, weit laufen zwischen 0 und 24 Uhr. Nachholen gilt nicht, dann ist die Serie beendet und muss von vorne begonnen werden. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Wer mehr wissen will,  zum Beispiel, woher die Idee kommt und ob das überhaupt gesund ist, kann es bei RunnersWorld nachlesen.

Wie erging es mir im Januar?

Vorneweg etwas zu mir als Läufern. Ich bin nicht von Null gestartet, sondern laufe schon seit einigen Jahren mehr oder weniger fleißig. Mein erster Streaklauf-Tag war im Grunde der 31. Dezember mit dem Silvesterlauf des SV Mergelstetten.

Was passiert während des Streaklaufs mit dir?

Die erste Woche lief wie am Schnürchen. Klar, da bist Du ja noch voll motiviert.

Dann kommt der Tag, an dem Du später als sonst vom Arbeiten nach Hause kommst. Draußen stürmt es und der Regen fühlt sich an, als prallen kleine Eiskristalle ins Gesicht. Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Ein wenig graut es mir. Doch ich will mir keine Blöße geben. Sind ja nur zehn Minuten, motiviere ich mich und laufe tatsächlich durch das Sauwetter. Ohne Streak? Bestimmt hätte ich keine Sekunde lang einen Gedanken aufs Laufen verschwendet.

Der Tag, an dem die Laufserie um ein Haar gerissen wäre

Ich bin mit meinen Kollegen nach Feierabend noch beim Kegeln. Kurz nach halb zwölf Uhr komme ich mit dem Zug an meine Wohnort an. „Jetzt noch nach Hause, umziehen und laufen? Das reicht nicht“, rechne ich mir aus. Was tun? Mir bleibt nur eines: ich klemme meine Umhängetasche samt Laptop und Kegelschuhen unter den Arm und beginne zu laufen.

Durch die Unterführung unter den Bahngleisen, die Treppen nach oben, über die Straße und dann weitere Treppen hinauf in die Siedlung, in der ich wohne. Dann noch im Zickzack durch die Straßen. Wann zeigt die Uhr endlich 1,6 Kilometer an. Mist, ich habe vergessen, sie anzuschalten. Also schätze ich die Laufkilometer nach Uhrzeit. Fünf vor Mitternacht stehe ich vor der Haustüre. Geschafft! Ich freue mich wie ein kleines Kind.

Macht mein Körper das mit?

Es ist erstaunlich, aber das tägliche Laufen ist körperlich kein Problem. Etwa zwei-, dreimal die Woche bin ich etwas länger unterwegs bis zu zehn Kilometer. Das hätte ich eh gemacht. An den anderen Tagen belasse ich es bei 1,7 bis 4 Kilometer. Mal spule ich das schnell ab, um es rasch hinter mich zu bekommen. Mal trippele ich super langsam durch die Gegend. Völlig entspannt im Schneckentempo.

Meine Achillesferse ist die Achillessehne. Die zwickt schnell mal. Doch doch das tägliche Laufen interessiert die Sehne nicht die Bohne. Sie schmerzt auch nicht mehr als sonst. Im Gegenteil. Ich rede mir ein, dass sie sich sogar weniger oft meldet als sonst.

Und wenn es doch mal mehr zwickt?

Ich gebe keine Garantie, dass der Streak nicht auch zu Verletzungen führen könnte. Deshalb ist es wichtig, genau auf seinen Körper zu hören. Bevor ich mich verletze, haue ich die Bremse rein. Bei Krankheit sowieso. Denn die Gesundheit und das Wohlbefinden stehen für mich über allem.

Wer ungeübter Läufer ist, sollte die Finger davon lassen, sondern langsam mit dem Laufen beginnen und genügend Pausen einlegen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Bin ich zur Ultraläuferin geworden?

Da fehlen doch zwei Tage! Nein, ich habe nur vergessen, die Laufuhr anzumachen. Passiert mir ab und zu.

Keineswegs. Damit hat die Serie rein gar nichts zu tun. 121km bin ich im Januar gelaufen. Kilometerfresser lachen da nur drüber. Für mich aber war das super für einen finsteren Januar. 

Bin ich eine bessere Läuferin geworden?

Das will ich nicht behaupten. Aber einen weiteren positiven Effekt hatte die Streak noch: Ich bin schneller geworden. Und das ganz ohne konkreten Trainingsplan und Tempoläufe. Das heißt jetzt aber nicht, dass Trainingspläne keinen Sinn machen, auch wenn ich persönlich das mit dem Plan oft nicht hinbekomme.

Wie geht nun die Juni-Streak?

Einfach loslaufen. Nicht lange überlegen und entscheiden, ob heute ein guter Tag zum Laufen ist.  Keine Zeit? Ach was, 1,6 km gehen immer. Zehn Minuten genügen.

Ich freue mich am Visualisieren: Jeden Tag wird ein neuer Haken in die Serien-Liste gesetzt.

Und am Ende das Beste: Es macht Spaß und ich weiß, dass es mir gut tun wird.

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